Tutti_Spiel
Aufbruch

- John Storgårds Leitung und Violine
Sebastian Fagerlund
Helena's Song
Beim Auftakt zu unserer Zusammenarbeit mit John Storgårds steht unser neuer Erster Dirigent und Künstlerischer Berater nicht nur am Pult, sondern leitet in einem Violinkonzert das Orchester auch als Solist. Soweit die klassische Rolle des Dirigenten am Pult entfällt, fordert dies vom Ensemble eine andere Art von musikalischer Kommunikation und Sensibilität – eine Bereicherung für alle Mitwirkenden.
Helena’s Song von Sebastian Fagerlund wurde 2023 in Helsinki von Storgårds und dem Finnischen Radio-Sinfonieorchester uraufgeführt und enthält Material aus Fagerlunds Oper Höstsonaten (Herbstsonate). Diese basiert auf Ingmar Bergmans gleichnamigen Film, der eine komplizierte Mutter-Tochter-Konstellation, gipfelnd in einem möglicherweise endgültigen Bruch, schildert.
Joseph Haydns Sinfonie Nr. 99 in Es-Dur, eine der zwölf berühmten Londoner Sinfonien, wurde 1793 in Wien oder Eisenstadt komponiert und Anfang des folgenden Jahres in der englischen Hauptstadt uraufgeführt. Vom Londoner Publikum bereits mit großer Begeisterung aufgenommen, hat die Sinfonie, in der Haydn erstmals Klarinetten besetzte, als Meisterwerk der Wiener Klassik bis heute einen festen Platz im Repertoire behaupten können.
Dieser formalen Klarheit und einprägsamen melodischen Leichtigkeit steht die düster-introvertierte Sinfonie Nr. 6 in es-Moll Opus 111 von Sergej Prokofjew gegenüber. Sie steht im Zeichen der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und ihrer pathetischen Vorgängerin Sinfonie Nr. 5 unversöhnlich gegenüber – gewidmet ist sie den unzähligen Opfern des „Großen Vaterländischen Krieges“. Der zunehmend selbst von Krankheit und psychischen Strapazen gezeichnete Komponist legte darin mittels einer erratisch-zynischen Klangästhetik ein emotionales, von der damaligen Kulturpolitik unabhängiges musikalisches Zeugnis ab, ehe ihm kurz darauf ein brandmarkender Beschluss der KPdSU endgültig den künstlerischen Willen brach.
In diesem Sinne ist der Titel "Aufbruch" als Ambivalenz zwischen einer destruktiven sowie regenerativen zukunftsweisenenden Kraft zu verstehen, die sich im Zusammenspiel unseres Programms, das einen familiären Bruch in Höstsonaten, Haydn's Aufbruch nach London, sowie Prokofjews künstlerischen Zusammenbruch beinhaltet, mit dem Auftakt der neuen künstlerischen Verbindung zwischen der Jungen Deutschen Philharmonie und ihrem neuen ersten Dirigenten John Storgards manifestiert.
Jascha Krams, Programmausschuss
Mi 30.09.26, 18 Uhr
Philharmonie Berlin Kammermusiksaal , Berlin
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