Interview mit Sebastian Weigle

Junge Deutsche Philharmonie

Wir freuen uns sehr auf unsere gemeinsamen Proben und Konzerte. Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit dem Orchester vor, welche Erwartungshaltung haben Sie?
Für mich ist es immer faszinierend, mit jungen Menschen zu arbeiten, die durstig nach Musik sind, neugierig darauf, wie Musik entsteht und wie man gemeinsam auf eine höhere Ebene kommen kann. Ich erwarte viele Fragen, auf die es möglicherweise auch viele Antworten gibt.
Von Zeit zu Zeit mache ich sehr gern solche Projekte, weil sie mich auch an meine Jugend erinnern, in der ich große Freude am gemeinsamen Musizieren hatte, immens viel gelernt habe und dadurch viele neue Freunde gewinnen konnte.

In unserem Programm finden sich fünf Werke von Beethoven, anlässlich seines 200. Todestages im Jahr 2027. Warum, glauben Sie, ist es auch heute noch wichtig, Beethovens Musik auf die Bühne zu bringen?
Beethoven ist einer der Grundbausteine unserer gesamten musikalischen Erziehung. Es gibt so viele geniale Komponisten, aber keiner ist in seiner Reife, in seinem Vorwärtsdrängen und in der Entwicklung der musikalischen Ausdruckskraft faszinierender als Beethoven. Über seine genialen Sinfonien, Streichquartette oder seine Musik im Allgemeinen muss man eigentlich nicht viele Worte verlieren. Seine Instrumentalkonzerte und Sonaten gehören zum Kernrepertoire der Musiker.
Es kommen immer wieder junge Menschen, die irgendwann die erste Berührung mit Beethoven bekommen – schon allein deswegen muss man Beethoven weiter pflegen. Natürlich wird seine Musik auch zu besonderen Anlässen programmiert. Sie ist kraftvoll, heroisch, der Freiheitsgedanke ist bei Beethoven groß geschrieben. Die Musik ist ehrlich, klar und gut verständlich, unparfümiert, wenn man so will. Zum Beispiel ist seine 9. Sinfonie in Japan, wo ich einen Großteil des Jahres verbringe, ein solcher Meilenstein, dass es dort ohne die „Daiku“ kein Jahresende gibt. Er war seiner Zeit immer voraus und zugleich Grundlage für die darauffolgende Musik- und Stilrichtung der Romantik.

Wie würden Sie unser Konzertprogramm beschreiben, was erwartet das Publikum?
Das Publikum erwartet verschiedene Facetten der großartigen Komponierkunst Beethovens. Die Auswahl ist treffend überlegt. Ich freue mich auch besonders über das Stück von Unsuk Chin, das für mich neu ist und daher besonders spannend. Auch das Thema Liebe kommt zur Sprache: das Bitten der Mutter und der Gattin von Coriolan, Frieden zu schaffen, weil das Militärische im Kampf und Krieg selten eine Lösung darstellt.
Dann wieder eine ganz andere Farbe: das Liebesdrama um „Romeo und Julia“ von Tschaikowsky – ein wahrer Höhepunkt des Konzerts, hoch emotional, zwischendurch sehr kriegerisch und dann wieder sentimental – eines meiner Lieblingsstücke.
Hier darf sich das Publikum auf viele Farben, viel Abwechslung und ein hervorragendes junges Orchester freuen.

Wie Sie wissen, ist unsere Geschäftsstelle in Frankfurt beheimatet und wir werden gemeinsam das traditionelle 1822-Neujahrskonzert in der Alten Oper spielen. Sie waren lange Zeit als Generalmusikdirektor beim Opern- und Museumsorchester in Frankfurt - wie haben Sie uns zu dieser Zeit wahrgenommen?
Ich glaube mich zu erinnern, dass ich am Beginn meiner Dirigentenlaufbahn in den Räumen der Jungen Deutschen Philharmonie Bläserproben geleitet habe. Das könnte 30 Jahre her sein – vielleicht auch länger.
Ich habe große Vorfreude auf die gemeinsame Arbeit.

Sebastian Weigle Dirigent
Fragen: Johanna Kehl PR & Marketing

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